Von Klimabetonen und der Dekarbonisierung der Beton- und Zementindustrie

Ein Interview mit Gründungsmitglied Dipl. Ing. Axel Preuß


Anfang des Sommers habt Ihr erfolgreich Pilotprojekte mit Klimabeton umgesetzt.

Wie bist Du auf die Idee mit der CarStorCon® Technologie gekommen?

Ich komme ja aus dem Baubereich und habe gerade dort den Bedarf an nachhaltigeren Alternativen gesehen. Gleichzeitig bin ich auf Biokohle, als technischen Kohlenstoff und deren Riesenpotenzial als Negativ-Emissions-Technologie aufmerksam geworden. Derzeit ist sie ein Nischenprodukt, das außerhalb der Landwirtschaft noch zu wenig Beachtung bekommt.
Bei der Einbringung in Baustoffen können dabei, in viel größerem Maße als in anderen Industrieanwendungen, dauerhafte und stabile Kohlenstoffsenken geschaffen werden. Uns war darüber hinaus wichtig, den technischen Kohlenstoff in der Industrie als Material zu etablieren, das ressourcen- und CO2-intensive Rohstoffe ersetzen kann.


Das sind derzeit vor allem Beton- und Asphalt- Anwendungen – wie viel Zement kann zum Beispiel im Beton eingespart werden?

Das variiert je nach Produkt und Einbringungsart, aber derzeit können wir mit der CarStorCon® Technologie bis zu 15% Zement ersetzen. Weltweit stammen 98% der CO₂-Emissionen des Betons aus der Zementproduktion, daher ist jedes Kilogramm Zement, welches im Beton eingespart werden kann, ein lohnender Beitrag für das Klima.
Die nachhaltig klimapositiven Effekte erzielen wir dabei durch die Kohlenstoffsenkentechnologie. Mit jedem eingesetzten Kilogramm unseres Zusatzstoffs Clim@Add® werden etwa 3 Kilogramm CO2 dauerhaft aus dem Kreislauf entzogen.

Unser Zusatzstoff Clim@Add® sorgt dabei nicht nur dafür, dass Baustoffe zu dauerhaften Kohlenstoffsenken werden, sondern verbessert zusätzlich die technischen Eigenschaften der Produkte. Durch die verbesserte Funktionalität ermöglichen wir noch weitere Zement-Einsparungen.

 

Bei Negativ-Emissions-Technologien kommt es ja stark genau auf die von Dir angesprochene Dauerhaftigkeit an – wie lange wird denn das CO2 gespeichert?

Zum einen sind Gebäude unter Einsatz von Clim@Add® bereits eine vergleichsweise langfristige Kohlenstoffsenke. Darüber hinaus kann das Material, welches durch die CarStorCon® Technologie entsteht, beliebig oft recycelt werden und unter wiederholter Zugabe von Clim@Add® neu funktionalisiert werden. 

Dabei verfolgen wir den Ansatz, dass die Lebenszeit von Bauwerken drastisch verlängert werden muss. Das wird durch eine verbesserte Qualität der Baustoffe erreicht. Dadurch wird jede Menge CO2 gespart, da Instandhaltungs- und/oder

Instandsetzungsmaßnahmen auf ein Mindestmaß reduziert werden.


Negativ-Emissions-Technologien versprechen ja, die Lücke zu schließen, die wir mit Emissionsreduktion allein nicht erreichen können. Was macht die CarStorCon® Technologie hier so besonders?

Alle großen Technologien, die jetzt angestrebt werden, um CO2 aus dem Produktionsprozess zu entziehen, brauchen noch viel Entwicklungszeit. Unsere Technologie ist jetzt schon verfügbar. Gerade im Vergleich mit anderen Negativ-Emissions-Technologien, die noch in der Entwicklung stecken, sehen wir unsere Vorgehensweise als Vorreiter- und Brückentechnologie. Die CarStorCon-Technologie® ist schnell umsetzbar, dezentral und bringt ein überschaubares Investitionsvolumen mit sich. Zudem ist mir sehr wichtig, dass sie vereinbar mit vielen anderen Ansätzen ist, so dass hier oft doppelte Nachhaltigkeitseffekte erzielt werden können.


Was meinst du hier mit doppelten Nachhaltigkeitseffekten?

Es wird sicherlich keine Technologie geben, die sofort alles löst. Deswegen setzen wir mit unserer Technologie auf Kompatibilität und auf die Kombination mit anderen Lösungen. Wenn wir unsere Technologie zum Beispiel mit Betonrecycling oder CO2-ärmeren Zementen kombinieren, können weitaus größere klimapositive Effekte erzielt werden. So sind wir in der Lage, Nachhaltigkeitseffekte gegenseitig zu verstärken und noch mehr fürs Klima zu tun.

 

Wie geht es jetzt weiter? Was steht nach dem Sommer an?

Nach den erfolgreichen Pilotprojekten setzen wir vor allem weitere Projekte um, um die Menge des eingesparten CO2 stetig zu erhöhen und unser Produktportfolio zu diversifizieren. Gleichzeitig arbeiten wir daran, weitere Reststoffströme für unsere Technologie nutzbar zu machen


Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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